Bericht über die 30. Fernreise: Holland – vom 25.-29. Mai 2016

Holland ist die volkstümliche Bezeichnung für den Staat Niederlande, in dem sich die Region Holland befindet. Sie umfasst die Provinzen Nord- und Südholland und wird im Westen von der Nordsee und im Osten vom Ijsselmeer begrenzt. Die nördliche Grenze liegt bei Den Helder und der Insel Texel, die südliche im Delta von Rhein, Maas und Schelde. Der Großteil Hollands liegt unterhalb des Meeresspiegels (bis um die 6 m), in der sog. ‚Polder‘-Landschaft.

In der deutschen Umgangssprache, wie auch in der Umgangssprache anderer Länder der Erde, aber auch von vielen Niederländern selbst, wird „Holland“ oft pars pro toto für die „Niederlande“ benutzt. Dieser Sprachgebrauch setzte mit Beginn des 17. Jahrhunderts ein, als die Provinz „Grafschaft Holland“ zur einflussreichsten Provinz der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen aufstieg. Hiermit trat eine Veränderung im internationalen Sprachgebrauch ein, denn bis Ende des 16. Jahrhunderts war das Land bei Handelspartnern im Ausland mehr unter der Bezeichnung „Flandern“ bekannt. Die Provinzen „Grafschaft Flandern“ sowie „Herzogtum Brabant“ waren dem Ausland deshalb ein Begriff, weil sie bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert die aktivsten Provinzen des Landes im internationalen Handel waren. Die Provinz der „Grafschaft Holland“ sowie die „Republik der Sieben Vereinigten Provinzen“ konnten sich erst im internationalen Überseehandel entwickeln und Bekanntheit aufbauen, nachdem ein auf dem Land zwischen 1585 und 1608 lastendes Handelsembargo aufgehoben worden war.

„Wer Schauspieler werden will, geht nach Hollywood, wer Architekt werden will, kommt hier hin“, beschrieb der kanadische Architekt Burton Hamfelt den Boom zur Jahrtausendwende. Obwohl in dieser menschengemachten Landschaft – die schmal-gestreifte Weite aus Wiesen und Gräben, unterbrochen nur von Tomaten- und Paprikafabriken – vieles festgezurrt und verplant wirkt, bewegt sich dieses Land wie kaum ein anderes in Europa, ja, es fördert sogar das Ungestüme und Nichtgeplante. Besonders deutlich lässt sich diese Gegensätzlichkeit dort erleben, wo Städte und Wohnungen entworfen und gestaltet werden, wo man in der Manier sozialistischer Fünfjahrespläne das Leben vorausbestimmen möchte – und die Architekten dennoch so kühn und unbeschwert bauen, dass alle Welt neidvoll nach Holland blickt.

Viele Architekten entlocken dem Vertrauten etwas Unvertrautes, und vor allem die Jüngeren begeistern sich für Neuformulierungen des Normalen. Dass sie diese nicht nur entwerfen, sondern auch bauen dürfen, verdanken sie der Vorliebe vieler Holländer für das Fremde und Freche. Während in Deutschland ein Architekt erst graumeliert und um die 40 Jahre alt sein muss, bevor man ihm größere Bauten zutraut, bekommen in Holland oft schon die 25-Jährigen wichtige Aufträge. Experimentierlust zählt mehr als Erfahrung.

Und so hat man u. a. Regeln im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt, z. B. die Kubushäuser in Rotterdam, um 45° gedrehte Würfel.

Man merkt schon, dass mich das Thema fasziniert hat, aber nun will von unserer Reise chronologisch berichten:

1. Tag: Mittwoch, 25. Mai 2016

Abfahrt war um 7 Uhr, so dass bis zum Frühstücksbuffet im Landhaus Elbert bei Rheinböllen/Nähe Koblenz entsprechend Appetit auf- und dann der Hunger abgebaut werden konnte. Vorbei an Venlo (dank ‚Europa‘ Grenze nicht wahrgenommen), Eindhoven und Tilburg / Breda ging es (mit kurzer Berührung des belgischen Staatsgebietes) nach Zundert. Hier also wurde Vincent van Gogh geboren, wuchs der Mitbegründer der modernen Malerei auf. Ein Zimmer im Museum ist mit Erinnerungsstücken an den berühmten Sohn und seine Familie eingerichtet. Dabei ist nicht nur die Einrichtung interessant, sondern auch das, was die Ausstellungsobjekte ‚sagen‘. Sobald man sich einem Objekt nähert, hört man über den Kopfhörer des Audioguides interessante Geschichten und Fragmente aus seinen zahlreichen Briefen. Danke, dass es auch auf Deutsch zu hören war.
Danach ging es weiter zu unserem Aufenthalt für die nächsten Tage, ins Hotel „HILTON Garden Inn“ in Leiden.

2. Tag: Donnerstag, 26. Mai 2016

Amsterdam, die Hauptstadt der Niederlande: „Bitte unbedingt!!! die Fahrspur für Fahrräder freihalten“ war angesagt und Überlebensstrategie beim Stadtrundgang. Kein Wunder bei 10 % mehr Fahrrädern (Fietse) als Einwohner (ca. 800.000), also geschätzten 880.000! Das Zentrum ist geprägt von alten Grachtenhäusern, zahlreichen Museen und dem Königlichen Palast. Eigene Erkundungen wurden unternommen, Rundgang z. T. mit Reiseleitung. Und selbstverständlich gehörte auch eine Grachtenfahrt zum Programm. Die 3 Schrägkreuze auf schwarzem Balken im roten Wappenhintergrund bedeuten die Plagen, die Amsterdam heimsuchten: Flut, Feuer und Pest.
Auf der Rückfahrt, vorbei am Flughafen Schiphol, dem mit 3 m unter NN am niedrigsten in Europa gelegenen, überraschte uns der wieder souverän agierende Uwe Maier vor der Hotelankunft mit einem Abstecher nach Noordwijk aan Zee. Auch zu Ehren von Geburtstagskind Marianne, das sich – Überraschungen ohne Ende – mit einem Sekt-Umtrunk revanchierte. Am Sonnenuntergang an Meer und Dünen hätten wir uns noch lange erfreuen wollen, das Profane jedoch behielt die Oberhand, denn unser Hunger schielte auf das Abend-Menue.

3. Tag: Freitag, 27. Mai 2016

Den Haag und Scheveningen waren geplant, jedoch packten wir auch Rotterdam in diesen Tag, denn Uwe Maier hatte für Tag 4 einen Ausflug nach Nord-Holland mit Überraschung angekündigt.

Den Haag, amtlich auch ‘s-Gravenhage (des Grafen Hag), ist der Parlaments- und Regierungssitz der Niederlande sowie Residenz des Königshauses und gilt als Welthauptstadt der Gerichtsbarkeit. Der Reiseleiter zeigte uns weitere Haag’se Sehenswürdigkeiten, wie den Binnenhof, einen mittelalterlicher Gebäudekomplex mit Sitz der niederländischen Regierung, den Friedenspalast, ein sehenswertes Neorenaissance-Gebäude, Sitz des Internationalen Gerichtshofs, das Mauritshaus mit bedeutender Sammlung flämischer und holländischer Malerei (u. a. Rembrandt und Jan Vermeer) und weitere mehr. Auffällige Neubauten wurden nach 1990 errichtet. Hierzu gehört das höchste Gebäude Den Haags, der „Hofturm“ mit 142 Metern Höhe, der von der Bevölkerung wegen seiner Architektur den Beinamen „Füller“ erhalten hat. Der 88 Meter hohe Zurichtoren erhielt den ebenfalls passenden Beinamen „Zitruspresse“, während das 104 m hohe Castalia „tieten van Den Haag“ (dies übersetzen wir lieber nicht!) genannt wird.

In Scheveningen war Strandspaziergang mit Besuch der Seebrücke angesagt; der Blick auf Meer und Sand entschädigte für den Frittenölduft und die Kirmesatmosphäre. Insgesamt fanden wir es nicht so einladend.

Weiter ging die Fahrt nach Rotterdam, zweitgrößte Stadt der Niederlande. Seit Inbetriebnahme der Europoort-Anlagen im Jahr 1966 befindet hier die größte Hafenanlage der Welt, die wir mit einer Hafenrundfahrt erkundeten. Der Besuch der Markthalle – Wohneinheiten bilden die Seitenwände und das Dach mit Fenstern zum „gedeckten Tisch“ – verführte zu vielen kulinarischen Versuchungen und Einkäufen. Dann zum Picknick am bzw. unter dem „Euromast“–Turm. Man nehme angejahrten Turm, packe einen weiteren drauf und lasse um dessen Mitte die Sitzeinheit kreisen! Langsam auf- und dann absteigend bietet sich eine phänomenale Rundumsicht über Hafen, Stadt und Umgebung von Rotterdam.

4. Tag: Samstag, 28. Mai 2016

Vorbei an Amsterdam führte uns die Reise zu dem durch Handel und Schifffahrt berühmt gewordenen Städtchen Hoorn. Übrigens: Der Entdeckungsreisende Willem Cornelisz Schouten schaffte es im Jahre 1616, trotz schwerer Stürme den südlichsten Punkt Südamerikas zu umrunden, und nannte ihn zu Ehren seiner Geburtsstadt Kaap Hoorn. In diesem hübschen Städtchen begenet man beim Rundgang der Vergangenheit der mächtigen Vereinigten Ostindischen Kompanie (Verenigde Oost-Indische Compagnie, kurz: VOC), die im 17. und 18. Jahrhundert mit ihren prachtvollen Schiffen Handelsbeziehungen mit asiatischen Ländern unterhielt, noch allerorten. Dies verleiht der Stadt ihr besonderes Flair und man glaubt beinahe, noch die Gewürze zu riechen, welche die VOC aus dem Fernen Osten anlandete. Durch die Gründung von Amsterdam verlor Hoorn an Bedeutung. Mit der Fertigstellung des Abschlussdeichs im Jahre 1932 hatte man auch keinen Seehafen mehr. Das gleiche Schicksal erlitten auch Medemblik, unser nächstes Ziel, sowie Enkhuizen, zu dem eine Schiffsfahrt über das Markermeer führte. Dies ist ein Süßwassersee, der 1976 durch die Abtrennung vom Ijsselmeer durch den Markerwaardijk entstanden ist. Das Ijsselmeer wiederum war entstanden durch Eindeichung eines Gebiets der Zuiderzee, einer großen Meeresbucht der Nordsee zwischen Friesland und Nordholland. In Medemblik hatten wir unser Mittagspicknick am Bahnhof, auf dessen Gelände sich Bahnfreaks für eine Museumsbahn (Hanomag) begeisterten und überlegten, ob dieses Beförderungsmittel wohl für uns bereitstand. Jedoch wartete hinter dem Deich an der Anlegestelle unsere schwimmende Alternative. Von Enkhuizen aus ging es noch zu einer Käserei, ein „Muss“ auf dieser Tour und Holland sowieso.

5. Tag: Sonntag, den 29. Mai 2016 – Heimreise

Frühstücksbuffet und Heimreise. Nach der Abfahrt vom Hotel besuchten wir den Delta-Park ‚Neeltje Jans‘ mit der gigantischen Sturmflutsperranlage an der Oosterschelde. Die Deltawerke umfassen mehrere Hochwassersperranlagen im Süden Hollands, die nach der Überschwemmungskatastrophe 1953 errichtet wurden. Wir erfuhren viel über den Umgang mit Wasser und der Landgewinnung (Polder) in Holland. Und man wird angesichts des ständig steigenden Meeresspiegels weiter ‚am Ball‘ bleiben müssen. Jedenfalls ist den holländischen Wasserbau-Experten hoher Respekt zu zollen und ihr Können wird in aller Welt geschätzt.

Die Heimreise führte vorbei an Breda, Eindhoven, Venlo und Koblenz zurück nach Mannheim, wo uns die Regenfront endgültig eingeholt hatte und für ein nasses Ausladen sorgte.
Dennoch: Toll war’s!

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