Die Freireligiöse Gemeinde Mannheim ist gegründet am 17. August 1845. Erster gewählter Vorsitzende war der Mannheimer Mehlhändler Valentin Streuber.

Die Wurzeln

Die Anfänge der freireligiösen Bewegung liegen in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts. In jenen Jahren, die gekennzeichnet waren durch eine Freiheit und Demokratie fordernde Aufbruchstimmung, durch die 48er Revolution, in der es um Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit ging, fanden sich Männer und Frauen zusammen, die aus den eingefahrenen Wegen der großen Kirchen ausbrachen und die Freie Religion begründeten.

Die freireligiösen Gemeinden entstammen aus dem Zusammenschluss der Deutschkatholiken und der protestantischen Lichtfreunde.

Der Deutschkatholizismus, ursprünglich eine reformatorische Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, kämpfte um die Unabhängigkeit von Rom. Ziel der deutschkatholischen Bewegung war eine Religion, die dem Menschen hilft, in Freiheit und Selbstverantwortung zu leben . Selbstbestimmung in allen religiösen Fragen, war die große Forderung, die die Menschen an die neue Religion stellten. Sie wollten die Religion vom Aberglauben befreien und verlangten, die Religion selbst, in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen von Wissenschaft und Vernunft, nach dem eigenen Gewissen und eigenen Überzeugungen gestalten und formulieren zu dürfen.

Der Anlass zur Abspaltung war der Offene Brief des katholischen Kaplans  Johannes Ronge an Bischof Arnoldi von Trier anlässlich der Ausstellung des Heiligen Rockes im Jahre 1844. In diesem Offenen Brief prangerte Ronge die Reliquienverehrung und die Verdummung der Massen an. Nach der Exkommunizierung Ronges bildeten sich überall in Deutschland spontan freie oder deutsch-katholische Gemeinden.

Die protestantischen Lichtfreunde um Eduard Baltzer und andere forderten von der Kirche, dass die religiösen Formen und Formeln, die Riten und Lehren, an der Vernunft, am Menschen und seinen Bedürfnissen zu orientieren seien Die Religion, so ihre Forderung, müsse verständlich, begreifbar, lebensnah und damit sinnstiftend sein. Nicht der Mensch ist für die Kirche da, sondern die Kirche für den Menschen.

1859 schlossen sich Deutschkatholiken und Lichtfreunde zum »Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands« zusammen. Eduard Baltzer, ehemaliger protestantischer Pfarrer, wurde der erste Präsident des Bundes. Um die Jahrhundertwende errangen die meisten Gemeinschaften, so auch die Freireligiöse Gemeinde Mannheim, die staatliche Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Heute ist die Freireligiöse Gemeinde Mannheim mit ihrem Wohlfahrtsverband Trägerin des überkonfessionellen Alten- und Seniorenheim Karl-Weiss-Heim und eine kleine, aber lebendige Gemeinschaft mit vielfältigen Aktivitäten auf religiösem, sozialem und kulturellem Gebiet.

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