Stolpersteine1

Sehr geehrte Stolperstein-Interessierte,

am Samstag, den 22. Oktober 2016 werden in Mannheim die nächsten Stolpersteine verlegt. Das internationale Projekt ist eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der damit an Opfer des Nazi-Regimes zwischen 1933 und 1945 erinnert. Juden, politisch Verfolgte, aus religiösen Gründen Verfolgte, Behinderte, Euthanasieopfer u.a. gehören zum Kreis derer, die den Machthabern ein Dorn im Auge waren und deshalb vernichtet werden sollten.

Stolpersteine – der Begriff ist nicht wörtlich zu nehmen. Man soll nicht mit dem Fuß an einem Hindernis auf dem Gehweg hängen bleiben. Gedanklich soll man über den Erinnerungsstein stolpern, kurz inne halten, die Inschrift lesen, der Opfer gedenken und daran erinnert werden, dass ein solches Regime nur dann verhindert werden kann, wenn die Schrecken von damals nie vergessen werden. Verlegt werden die Steine dort, wo die Opfer wohnten oder wirkten.

Im Mittelpunkt der Verlegung am 22. Oktober 2016 steht die Erinnerung an Familie Droller. In den Planken werden zum Gedenken an sie 7 Steine verlegt werden. An Otto Bauder in Seckenheim wird ein Stein an einen prominenten Mannheimer der Nachkriegszeit erinnern.
Wir danken der Verwaltung und dem Gemeinderat der Stadt Mannheim sowie den Paten für die Unterstützung.

Der Arbeitskreis Stolpersteine lädt auch Sie ein, an den Verlegungen teilzunehmen.

14.30 Uhr Humboldtstr. 1                 Luise Dörsam, Jahrgang 1980
Neckarstadt – West

Luise Dörsam hatte ihren letzten Wohnort in der Neckarstadt-West.
Sie wurde Opfer der nach 1945 unter der Bezeichnung „Aktion T 4“ bekannt gewordenen systematischen Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen und
geistigen Behinderungen durch die Nazis zwischen den Jahren 1940 bis zum Ende des 2. Weltkriegs. Luise Dörsam wurde 1936 in die Heilanstalt Wiesloch eingewiesen. Am
11.07.1940 wurde sie ins KZ Grafeneck „verlegt“, wo sie am gleichen Tag ermordet wurde.

15.15 Uhr Zähringer Str. 80          Otto Bauder, Jahrgang 1912
Seckenheim

Otto Bauder wurde nach dem 2. Weltkrieg zu einer herausragenden Persönlichkeit der Mannheimer SPD. Dieser gehörte er aber bereits zur Zeit der Nationalsozialisten an. Als Sozialdemokrat schloss er sich dem Widerstand an. 1938 wurde er wegen angeblicher „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet und in das Zuchthaus Ludwigsburg gesperrt. Dort konnte er befreit werden. Der Stein zu seinem Andenken wird vor dem Vereinsheim in Seckenheim verlegt werden, seiner zentralen Wirkungsstätte im Vorort.

15.45 Uhr Corneliusstr. 19          Ilse Klussmann, Jahrgang 1916
Neuostheim 

Im Alter von 20 Jahren, genau am 18.11.1936, wurde Ilse Klussmann in
Mannheim im Auftrag der Nationalsozialisten zwangssterilisiert.

16.10 Uhr Augustaanlage 63     Dr. Alfred Sachs, Jahrgang 1863
Oststadt

Der letzte Wohnort von Dr. Alfred Sachs vor seiner Deportation war in der Augustaanlage 63. 1933 wurde er mit einem Berufsverbot belegt. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Leipzig im Jahre 1940 kehrte er nach Mannheim zurück. 1940 gehörte er zu der Gruppe von jüdischen Mannheimern, die nach Gurs deportiert wurden. Am 10.11.1940 fand er dort den Tod.

16.30 Uhr Leibnizstr. 24           Dr. Paul Ludwig Jordan, Jahrgang 1883
Oststadt

Dr. Jordan war Amtgerichtsrat in Mannheim. 1933 wurde auch er mit einem Berufsverbot belegt. Von den Nazis verfolgt verzog er unfreiwillig im Jahr 1935 nach Heidelberg. Am 15.07.1940 beging er Selbstmord.

16.50 Uhr Mollstr.                         Moritz Steiner, Jahrgang 1842
Oststadt

Als er am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurde, war der in Massenbach bei Heilbronn geborene Jude Moritz Steiner bereits 98 Jahre alt. Nur wenige Wochen überlebte er die Deportation. Am 17. Dezember 1940 starb er im Deportationslager Gurs.

17.15 Uhr P 7, 22, Planken          Julius Droller, Jahrgang 1878
Innenstadt

Emma Droller, geb. Simons, Jahrgang 1884
Alice Droller, Jahrgang 1907
Sofie Lotte Kullmann, geb. Droller, Jahrgang 1910
Felix Droller, Jahrgang 1912
Oskar Droller, Jahrgang 1916
Franz Joachim Droller, Jahrgang 1921

7 Steine – 7 Mitglieder einer Familie. Menschen mit dem gleichen Schicksal: der Verfolgung von Menschen jüdischen Glaubens. Sieben Mal gelang die Flucht und fünf Mal endete sie mit der Ermordung durch die Nazis. Nach ihrer Flucht nach Holland und der Besetzung durch die Nazis wurden Julius, Emma, Alice und Oskar Droller interniert und nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden. Franz Joachim Droller wurde kurz vor Kriegsende im KZ Bergen-Belsen ermordet. Sofie Lotte Kullmann überlebte den Naziterror mit Hilfe anderer Menschen. Felix Droller wurde in Paris verhaftet und in die Fremdenlegion nach Afrika gezwungen, wo er befreit werden konnte. Alice Droller wird in Mannheim unter dem Namen Alice Dorell zur Schauspielerin. 1925/26 debütiert sie am Nationaltheater. Nach ihrer Flucht nach Holland macht sie als Kabarettistin Karriere. Eine Kooperationsveranstaltung von Nationaltheater und AK Justiz befasst sich am 25.10.2016 um 19 Uhr in der Lobby des Werkhauses mit Alice Dorell.

17.50 Uhr L 8, 16                      Wilhelm Berg, Jahrgang 1889
Innenstadt

Auch Wilhelm Berg gehörte zu der jüdischen Bevölkerung in Mannheim. Nach seiner „Schutzhaft“ im KZ Dachau im Jahr 1938 kehrte er nach Mannheim zurück. Am 22.10.1940 wurde auch er nach Gurs deportiert. Über das Internierungslager Drancy kam er 1942 nach Auschwitz, wo er ermordet wurde.

Gunter Demnig wird die Steine in Anwesenheit der Paten und teilweise auch von Nachkommen der Opfer verlegen. Bitte haben Sie Verständnis, wenn es zu Verzögerungen oder zu kurzfristigen Änderungen kommen kann.

Wir laden Sie ein zur zentralen Gedenkfeier um 18.15 Uhr im Saal der Freireligiösen Gemeinde in L 10, 4-6 ein.

Außerdem möchten wir auf die Veranstaltung zum Gedenken an die Gurs-Deportation um 19 Uhr am Kubus hinweisen.

Sie möchten die Arbeit des Arbeitskreises unterstützen? Wir sind für jede Spende dankbar.
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Wenden Sie sich an uns und schicken Sie eine Mail an mannheim@naturfreunde.de!

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